Wie ich gelernt habe, mich selbst zu halten – und warum ich mir trotzdem manchmal wünsche, gehalten zu werden

Veröffentlicht am 16. Januar 2026 um 14:17

Ich habe früh gelernt, mich selbst zu halten. Nicht, weil ich so stark sein wollte – sondern weil es notwendig wurde.

Jedes gesagte und jedes nicht gesagte Wort speicherte sich in meinem Körper. Von mir selbst. Von anderen.
Ich verdrängte vieles, gab mir die Schuld und begann zu glauben, ich sei falsch. Zu sensibel. Zu kompliziert. Nicht passend für diese Welt.

Also passte ich mich an. Ich wurde leiser. Kleiner. Ich versuchte, in Rollen zu passen, die nie meine waren.

In Familie, Freundschaften und im Beruf war ich oft „anders“. Und gleichzeitig auf der Suche nach Liebe. Nicht nach einer oberflächlichen Nähe, sondern nach dieser tiefen, bedingungslosen Liebe, die nichts fordert und nichts beweisen will.

Doch jede Nähe war an Erwartungen geknüpft. Erwartungen, die ich nicht erfüllen konnte, ohne mich selbst zu verlieren.
So wurde ich innerlich blockiert – nicht frei in meiner Welt, nicht frei in meiner Art zu leben.

Bis der Moment kam, an dem ich keine Kraft mehr hatte, anderen zu gefallen. Keine Kraft mehr, mich zu verbiegen, um in eine Welt zu passen, die nie meine war.

Ich entschied mich, meiner Vergangenheit zu begegnen. Ich sah hin. Wirklich hin. Auf all die Wunden, die tief in mir saßen. Und ja – sie taten weh. Noch immer.

Ich entdeckte verdrängte Gefühle, alten Schmerz, Emotionen, die keinen Raum hatten.
Ich durchlebte vieles doppelt und dreifach, bis ich es tragen konnte.

Und dann kam eine Erkenntnis, die schmerzhaft und gleichzeitig befreiend war:
Ich hatte es erlaubt. Ich hatte keine Grenzen gesetzt. Nicht, weil ich schwach war – sondern weil ich es nie gelernt hatte.

Also lernte ich es.
Und damit begann meine Reise zu mir selbst.

Ich verstand:
Erst wenn ich einem Menschen in mir wirklich vergebe, kann ich den Schmerz loslassen.
Nicht vergessen – aber nicht mehr tragen.

Ich wollte nicht länger verletzt sein. Nicht länger offen für alles und jeden. Ich wollte klar sein. Wach. Bei mir.

Manche halten das heute für Kälte. Doch es ist meine Grenze. Und ich wahre sie – aus Selbstachtung.

Ich habe gelernt, dass ich nicht verantwortlich dafür bin, wie andere Menschen mich behandeln.
So wie ich andere nicht verletze, um mich besser zu fühlen. Es ist eine Entscheidung. Immer.

Heute stehe ich für mich ein. Ich spiele keine Spiele mehr mit.
Ich reagiere nicht auf alles – auch wenn sich andere dadurch vor den Kopf gestoßen fühlen.

Ich kenne meine Stärke und meine Schwächen. Mein Licht und meinen Schatten. Und ich liebe beides.

Worte haben für mich keine Bedeutung mehr, wenn ihnen keine Taten folgen.

Mein Leben heute

Mein Leben fühlt sich heute frei an. Ich liebe dieses Gefühl, mich nicht mehr anpassen zu müssen. Ich liebe meine Einzigartigkeit.

Ich habe kein Bedürfnis mehr, mich zu rechtfertigen oder etwas zu tun, nur um irgendwo dazuzugehören.

Ich bin bei mir. Ganz. Und nicht mehr auf der Suche nach Liebe.

Heute weiß ich:
Meine Liebe ist unbezahlbar. Und die Menschen, die in meinem Leben sind, wissen das zu schätzen.

Ich muss niemandem etwas beweisen, um geliebt zu werden.
Und ich weiß, dass man nicht viele Menschen braucht, um glücklich zu sein.

Menschen, die mich verstehen wollen, verstehen mich, ohne dass ich mich ständig erklären muss.

Ich brauche keine Menschen mehr in meinem Leben, die sich nicht weiterentwickeln wollen oder nicht fähig sind zu fühlen.

Ich zwinge niemandem meinen Weg auf. Ich reiche lediglich die Hand – zur Unterstützung, zur Begleitung.
Gehen muss jeder selbst.

Meine Weiblichkeit, meine Wahrheit

Ich habe gelernt, meine weiche Seite wieder zuzulassen. Ohne Scham.

Meine Gefühle, die ich heute offen trage, sind kostbar. Sie sind mein Kompass. Mein Wegweiser für richtig oder falsch.

Menschen können mich erst verstehen, wenn ich offen zeige, welches Gefühl sie in mir auslösen.
Das ist etwas, das viele erst wieder lernen dürfen: die Gefühle anderer wahrzunehmen und sich daran zu orientieren.

Meine weibliche Seite hat lange gefehlt. Ich war stark, organisiert, funktionierend. Angepasst an einen dauerhaften männlichen Rhythmus.

Seit ich mir erlaubt habe, weich zu sein und meinen weiblichen Rhythmus zu akzeptieren, ist alles leichter geworden.

Dazu gehört auch, allen Launen Raum zu geben. Laut zu sein. Leise zu sein. Wild und chaotisch.

Das ist kein Fehler. Das ist ein weiblicher Zyklus.
Und genau so sind wir Frauen.

Nähe, Freiheit und echte Verbindung

Nähe bedeutet für mich heute nicht mehr, ständig zusammen zu sein. Nähe bedeutet, die Bedürfnisse des anderen zu respektieren.
Ihm seine Freiheit zu lassen. Ihn nicht verändern zu wollen.

Als Schütze in Sonne und Mond ist Freiheit für mich nicht verhandelbar.
Doch genau das bringt mich Menschen näher: wenn sie mir Raum lassen, ich selbst zu bleiben und trotzdem mit mir wachsen wollen.

Ich bin nicht mehr auf der Suche nach Liebe. Ich habe sie in mir gefunden.

Und ich weiß heute: Das ist die reinste Form von Liebe – die Liebe zu dir selbst.

Früher konnte ich mir im Spiegel nicht in die Augen schauen. Da war zu viel Schmerz.

Heute ist genau dieser Blick mein Indikator. Ich schaue mir tief in die Augen und sehe einen Ozean aus Gefühlen, aus Liebe, ohne Angst, nicht genug zu sein.

Ich kenne meinen Wert. Meinen Weg. Und meine Aufgabe.

Ich bin oft der Anker für andere. Der Wegweiser. Jemand, der halten kann, ohne den Schmerz zu übernehmen. Ich spüre viel – doch es ist nicht mehr mein Schmerz.

Ich bin nur ein kleines Licht unter vielen. Aber die Menschen, die mich brauchen, finden mich. Immer.

Und warum ich mir trotzdem manchmal wünsche, gehalten zu werden

Ich brauche niemanden, der mir meine Sorgen abnimmt. Ich kann mich selbst halten.

Doch gehalten zu werden ist etwas anderes. Es ist das stille Wissen, dass jemand da ist, der nichts von mir will und trotzdem bleibt. Nicht, weil ich schwach bin – sondern weil Verbindung stärker ist als Autarkie.

Manchmal braucht selbst ein freier Mensch einen ruhigen Anker. Nicht um sich festzumachen, sondern um sich für einen Moment auszuruhen.

Gehalten zu werden bedeutet für mich nicht Enge, sondern Präsenz. Nicht Kontrolle, sondern Mitgefühl ohne Worte.

Dieses stille Nebeneinandersitzen, wenn das Leben kurz wackelt. Wenn nichts repariert werden muss. Wenn keine Lösung gefragt ist. Nur geteilte Energie.

In diesen Momenten entsteht wahre Verbindung.

Ich wünsche mir keinen Menschen, der mich komplettiert. Ich wünsche mir einen, der mich neben sich stehen lässt und trotzdem da ist, wenn ich mich anlehnen möchte.

Das ist keine Schwäche.
Das ist Reife.
Das ist Liebe ohne Abhängigkeit.

Sie entsteht dort, wo wir bei uns bleiben, auch wenn es still wird. Wo wir weich sein dürfen, ohne uns zu verlieren.

Und wo wir wissen: Wir brauchen nichts mehr zu beweisen, um verbunden zu sein.

Vielleicht ist genau das Liebe.
Frei. Wach. Und ganz bei sich.

 

Von Herz zu Herz

Mandy

Liebe beginnt dort,

wo wir bei uns bleiben –

frei, wach und verbunden.

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